Schwarze Tiger, weiße Löwen

Folge: 820 | 11. Dezember 2011 | Sender: NDR | Regie: Roland Suso Richter
Bild: NDR/Roland Suso Richter
So war der Tatort:

Radebrechend.

Gleich mehrfach telefoniert Hauptkommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) in Schwarze Tiger, weiße Löwen nämlich in die Niederlande – und zeichnet sich dabei mit verkrampftem Schulenglisch aus, bei dem so manchem Leistungskurslehrer ein eisiger Schauer über den Rücken laufen dürfte.


LINDHOLM:
Witsch wan? Onse raid said? Schur. Sänkju.


Gruselig klingt er, ihr deutscher Akzent – doch stellt sich die Frage nach dem Warum?

Hauptdarstellerin und Burda-Gattin Maria Furtwängler, Stammgast bei Gala-Veranstaltungen, Preisverleihungen und auf internationalem Parkett, dürfte sich sprachlich schließlich weitaus sicherer bewegen als die unbeholfene Kommissarin, die sie in der Krimireihe verkörpert.

Vielleicht ist Lindholms mieses Englisch also der Tatsache geschuldet, dass sie sich im 820. Tatort mal wieder richtig verlieben darf? Auch sonst zeichnet sich die LKA-Ermittlerin nämlich durch reichlich Fehltritte aus: Erst setzt sie ihren Wagen gegen einen Zierstein am Straßenrand, später vergisst sie ihr Mobiltelefon im Bett und am Ende gar den Dienstausweis im Hotelzimmer.

Peinlich, wenn der dann später gefunden wird und die Hotelangestellten ausgerechnet bei Kollegin Sigrid Malchus (Inka Friedrich, Der Tote im Nachtzug) von der örtlichen Dorfpolizei anrufen.


MALCHUS:
Ihr Dienstausweis wurde in der Bettwäsche gefunden.


Leider bleibt dies die einzige Pointe, die Lindholms Liaison mit dem smarten Journalisten Jan Liebermann (Benjamin Sadler, Mord in der ersten Liga) generiert – ansonsten erweist sich das Techtelmechtel einzig als Super-Gau für den Spannungsbogen.

Dabei ist doch eigentlich alles wie gemalt für eine Episode, in der Lindholm endlich mal wieder frei von allen Mutterzwängen ermitteln kann: Sohn David (Maris Strauß), diesmal sogar mit ein paar Dialogzeilen gesegnet, quartiert sie einleitend gleich mal auf einem Ferienbauernhof ein. Ein banalar, aber cleverer Schachzug der Drehbuchautoren Eoin Moore (Altlasten) und Ulrike Molsen, die offenbar erkannt haben, welch eklatante Folgen der menschliche Klotz am Bein der Kommissarin in den vergangenen Monaten und Jahren für den Tatort aus Niedersachsen hatte.

Nützen tut dies am Ende aber wenig – dazu holt Regisseur Roland Suso Richter (Spiel auf Zeit) einfach zu wenig aus der Geschichte, die sich stark am Fall der entführten Natascha Kampusch orientiert, heraus.

Wie schwach Schwarze Tiger, weiße Löwen auf der Brust ist, zeigt sich vor allem im direkten Vergleich zum elektrisierenden und hochspannenden Tatort-Meilenstein Verschleppt, der nur wenige Wochen später eine ganz ähnliche Geschichte erzählt und die 19. Lindholm-Episode noch schneller in Vergessenheit geraten lässt als ohnehin schon.

Bewertung: 4/10

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