Fette Hunde

Folge: 841 | 2. September 2012 | Sender: WDR | Regie: Andreas Kleinert
Bild: WDR/Erik Lee Steingroever
So war der Tatort:

Altbekannt.

Gut eineinhalb Jahre nach dem sehenswerten Tatort Heimatfront, in dem die später geschassten Saarbrücker Kollegen Kappl und Deininger traumatisierte Hindukusch-Heimkehrer zum Verhör baten, thematisiert Fette Hunde nämlich erneut die Rückkehr deutscher Soldaten aus Afghanistan – ein fast schon prädestiniertes Thema für den für seine Sozialkritik bekannten Kölner Tatort.

Drehbuchautor André Georgi (Der glückliche Tod) setzt bei seiner Geschichte aber einen anderen Schwerpunkt, macht den Drogenschmuggel aus Nahost zum Kern der Handlung und reißt die traumatischen Erfahrungen der Soldaten nur grob an. Viel mehr, als dass Krieg kein Zuckerschlecken ist, Verstümmelungen zur Folge haben kann und Fernbeziehungen eine ernste Belastungsprobe für Pärchen ist, hat er zum Kampfeinsatz in Afghanistan aber leider nicht zu sagen – was den Vorteil birgt, dass so zumindest die Rahmenhandlung um den getöteten Heroinschmuggler, der sage und schreibe sechzig drogengefüllte Kondome in seinem Darm durch den Zoll geschmuggelt hat, angemessen ausgearbeitet werden kann.

Dass die Kölner Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) erst nach einer halben Stunde am Leichenfundort aufkreuzen, hat zwei Gründe: Zum einen montiert Regisseur Andreas Kleinert, der bereits sechs Polizeiruf 110-Folgen, aber noch keinen Tatort inszeniert hat, die Vorgeschichte des Schmugglers und seiner weiblichen Begleitung Amina Rahimi (Maryam Zaree, Der illegale Tod) parallel zum Rest des Geschehens – zum anderen gibt es aber auch eine ausufernde Heimkehrerparty, nach der die beiden Ermittler zum Erstaunen ihrer Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) in einer köstlichen Sequenz auf derselben Matratze aufwachen.


LÜTTGENJOHANN:
Ihr habt zu zweit in einem Bett geschlafen? Das ist aber neu in eurer Beziehung, oder?

SCHENK:
Ich weiß nix mehr. Ich trink auch nix mehr.


Altbekannt ist der 841. Tatort aber auch, weil die beiden verkaterten Ermittler mit Ex-Sekretärin Lissy (Anna Loos) eine alte Bekannte auf dem Polizeipräsidium begrüßen dürfen, die dort natürlich prompt mit ihrer Nachfolgerin aneinander gerät. Schon nach wenigen Sätzen ist der Zickenkrieg aber wieder beendet und es herrscht – anders als in Afghanistan – wieder brav Waffenstillstand.

Schade: Ein bisschen mehr Zündstoff hätte Fette Hunde gut zu Gesicht gestanden, schlägt die Spannungskurve ansonsten doch höchstens bei Rahimis illegaler Odyssee durch die Kölner Innenstadt mal ein wenig nach oben aus.

Ansonsten haben die Filmemacher beim 55. Einsatz von Ballauf und Schenk wenig Neues zu erzählen und setzen das Kölner Tatort-Jahr 2012 gewissermaßen konsequent fort: Graues Mittelmaß ist angesagt. Verkaterte Ermittler sind beim Blick auf die Tatort-Gesamtreihe nämlich ebenfalls nichts Neues mehr: 2006 erwischte es unter anderem den Ludwigshafener Kollegen Mario Kopper (Andreas Hoppe), der seine Augenringe in Der Lippenstiftmörder nach einer durchzechten Nacht konsequent hinter einer schwarzen Sonnenbrille verbarg.

War auch ganz witzig.

Bewertung: 5/10

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