Der Pakt

Folge: 1082 | 27. Januar 2019 | Sender: SR | Regie: Zoltan Spirandelli
Bild: SR/Manuela Meyer
So war der Tatort:

Verkorkst.

Denn auch im Tatort Der Pakt hat man wieder das Gefühl, dass die Hauptfiguren in Saarbrücken einfach nicht recht harmonieren wollen: Beim letzten Einsatz von Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) spielen die Hauptdarsteller in erster Linie für sich selbst – der Eindruck eines eingespielten Teams hingegen will sich auch im achten Anlauf nicht einstellen.

Es ist bezeichnend, dass Stellbrinks Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück) – 2013 im erschreckend schwachen Melinda noch als gleichberechtigte Partnerin angetreten – vor der Kamera nur noch wenige Minuten mit Stellbrink verbringt, während gleichzeitig das vollzogen wird, was sich seit Totenstille im Rahmen einer schleichenden Wachablösung angedeutet hatte: Polizeihauptmeisterin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider) wird zur Kommissarin befördert und ist Marx damit nun auch in Sachen Dienstgrad offiziell ebenbürtig (wird auf der ARD-Website aber bis zum Schluss hartnäckig ausgeklammert).

Dass die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Striesow und Brück nicht stimmte, ist ein offenes Geheimnis – und angesichts der verkorksten Personalpolitik und dem oft steifen Zusammenspiel aller Beteiligten ist Striesows Entscheidung, den Weg für einen Neuanfang freizumachen, trotz all seiner schauspielerischen Klasse zu verkraften.

Einmal mehr bezeichnend ist auch, wie Regisseur und Drehbuchautor Zoltan Spirandelli (Söhne und Väter) die beim Publikum unbeliebte Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach) hier noch irgendwie in den Plot quetschen muss: Im Rahmen einer Vernissage geflüchteter Künstler darf Dubois zum Abschied exakt drei belanglose Sätze sagen – unter anderem diese.


DUBOIS:
Datteln im Speckmantel? Das ist doch nicht halal.


Ansonsten spendiert Spirandelli, der seinen vierten Stellbrink-Tatort inszeniert und das Drehbuch zusammen mit Michael Vershinin (Söhne und Väter) schrieb, den Zuschauern zum Abschied einen klassischen Whodunit, dessen Auflösung bis in die Schlussviertelstunde offen gehalten wird und sich durchaus knifflig gestaltet.

Im Wohnheim eines Krankenhauses wird einleitend die Schwesternschülerin Vanessa (Aylin Werner) erdrosselt aufgefunden – und neben ihrem deutlich älteren Liebhaber Dr. Sharifi (Jaschar Sarabtchian), der sich gemeinsam mit der renommierten Ärztin Annemarie Bindra (Franziska Schubert, Ordnung im Lot) in der Initiative "Mediziner für Asyl e.V." engagiert, sind auch ihre Mitbewohnerin Anika (Lucie Hollmann) und der ägyptische Flüchtling und koptische Christ Kamal (Mehdi Meskar) in den Fall verwickelt. Letzterer arbeitete als Fahrer für die Initiative, gleichzeitig aber auch als Spitzel für den undurchsichtigen Dr. Hesse (Christian Intorp, Der Name der Orchidee) von der Ausländerbehörde – und steht spätestens nach der Flucht aus einem Krankenhaus unter dringendem Tatverdacht.

Über die teils wenig erfahrenen Nebendarsteller – Werner steht zum ersten, Sarabtchian zum zweiten Mal vor einer Kamera – mag man kein schlechtes Wort verlieren, absolut indiskutabel ist aber die Leistung einiger Kleindarsteller in Polizeiuniform, die den 1082. Tatort mit ihrem ausdruckslosen Spiel bisweilen der Lächerlichkeit preisgeben. Das ist im ohnehin schon hölzernen Krimi aus Saarbrücken doppelt ärgerlich, zumal auch der Soundtrack schwächelt: Kitschig wird es vor allem dann, wenn sich die Dramatik wie bei einer Schlüsselszene auf einem Gebäudedach oder der obligatorischen zweiten Tatort-Leiche nach einer knappen Stunde nicht von allein entwickeln will.

Immerhin: Man hat im Saarland – wir denken an den Totalausfall Eine Handvoll Paradies – in den letzten Jahren schon deutlich schlechteres gesehen, und auch im Hinblick auf die Hauptfigur hat der Saarländische Rundfunk noch eine erfreuliche Kurskorrektur vollzogen: Am Ende geht Jens Stellbrink als geerdeter einsamer Wolf, der über den Dächern der Stadt ein schickes Penthouse bewohnt und bei der Damenwelt wenig Glück hat. Denn war es in Totenstille noch eine gehörlose Bikerin (Kassandra Wedel), die bei dem Dauersingle auf Tuchfühlung ging, datete der Kommissar in Söhne und Väter versehentlich Kollegin Marx und muss sich in Der Pakt der aufdringlichen Ausbilderin Maria Krafft (Nina Vorbrodt, Keine Polizei) erwehren, die ihm bei jeder Gelegenheit schöne Augen macht.

Bewertung: 4/10

Kommentare:

  1. Ich bin ein leidentschaftlicher Tatortfan und das seit Jahrzehnten. „Der Pakt“ mit Detlev Striesow gehört für mich zu den Besten der letzten Zeit. Es gab zwar ein Paar Ungereimtheiten, wie die Datteln im Speckmantel aber die Geschichte ist sehr nah an der heutigen Zeit und ansonsten glaubwürdig und zwar so sehr, das mir zudem schockierenden Ende unvermutet die Trönen aus den Augen rannen. Das Herr Striesow jetzt aus der Serie aussteigt finde ich sehr bedauerlich, er ist ein brillanter Schauspieler. Ein ganz großes Lob für den Schauspieler Mehdi Mescar der den „Kamal“, so zum Ausdruck bringt, diese Verzweiflung, die sicher auch echte Flüchtlinge haben. Dieser Tatort zeigt ganz einfach, das noch viel Toleranz in unserer Welt fehlt um die Erde zubringen friedlichen Ort zu machen.

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  2. die kritik ist richtig.allerdings sieht man diese evtl.auch nur wenn man akriebisch nach fehlern sucht.im grossen und ganzen war der nicht schlecht

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