Heile Welt

Folge: 1157 | 21. Februar 2021 | Sender: WDR | Regie: Sebastian Ko
Bild: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Menke
So war der Tatort:

On fire.

Und das nicht nur, weil im 1157. Tatort Bengalos brennen und einleitend die Feuerwehr ausrückt: Im Gerberzentrum, einem sozialen Brennpunkt in Dortmund-Scharnhorst, lodert ein Brand – und als sich die Rauchschwaden legen, finden die Einsatzkräfte die Leiche einer schwangeren jungen Frau. Dass in dem Hochhauskomplex alles andere als die Heile Welt herrscht, die der Krimititel verspricht, versteht sich fast von selbst.

On fire ist bei ihrem 18. Tatort-Einsatz vor allem Hauptkommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt), die wie nie zuvor im Mittelpunkt steht: Weil sie den aus dem Irak geflohenen, dealenden Jugendlichen Hakim Khaled (Shadi Eck) mit körperlicher Gewalt dingfest macht, wird sie von rechten geistigen Brandstiftern in den sozialen Medien wider Willen zur Heldin stilisiert – gerät aber gleichzeitig ins Visier der Linken, die ihr nach Feierabend auflauern und in Person von Videobloggerin Annika Freytag (Jaëla Probst, Familien) reichweitenstark gegen sie Stimmung machen.

Eine Woche nach dem Ludwigshafener Tatort Hetzjagd, in dem ein "Rock gegen Rechts"-Konzertveranstalter erschossen wird, zeigt die ARD erneut einen sehr politischen Tatort. Regisseur Sebastian Ko (Weiter, immer weiter) und Drehbuchautor Jürgen Werner (Monster), der schon die Geschichten zu vielen anderen Dortmunder Folgen schrieb, skizzieren in kraftvollen Bildern und in aller Tragweite, wie schnell eine Polizistin durch ein Handyvideo am Pranger stehen und zum Spielball digitaler Schlammschlachten werden kann. Selbst Kollege Peter Faber (Jörg Hartmann), bekanntlich kein Kind von Traurigkeit, wirkt bisweilen ratlos.


BÖNISCH:
Nazi über Nacht. Das ist doch absurd.

FABER:
Tja. Je mehr die Leute sehen, desto blinder werden sie.


Aus Heile Welt hätte mit dieser Grundidee ein grandioser Krimi werden können – wenn, ja wenn die Filmemacher statt der im Tatort üblichen 88 Minuten drei bis vier Stunden Spielzeit für all die Themen gehabt hätten, die sie in ihrem Film noch zusätzlich anreißen.

Dass auch die Neue im Präsidium – Hauptkommissarin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger, Borowski und das Glück der Anderen) – on fire ist und ihre Feuertaufe als Nachfolgerin der in In der Familie (1) ausgestiegenen Nora Dalay (Aylin Tezel) feiert, verkommt trotz ihres ansprechenden Debüts und der guten Harmonie mit Jan Pawlak (Rick Okon) fast zur Randnotiz. Hat sie womöglich ein Problem mit dem Schießen, so wie ihr Saarbrücker Tatort-Kollege Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) in Das fleißige Lieschen? Wir erfahren (noch) keine Details.

Pawlak, bekanntlich mit einem Ex-Junkie verheiratet, bangt um seine verschwundene Frau, das Ende bleibt offen. Bönisch hat sich mit dem KTU-Kollegen Sebastian Haller (Tilman Strauss, Die Wiederkehr) einen neuen Lover angelacht und Faber blitzt mit seinem kultigen Manta GSI bei ihr ab, obwohl im Innenraum Weihrauchstäbchen on fire sind und Sunshine Reggae dudelt. Absolut köstliche, für das Dortmunder Team denkwürdige Szenen, wenngleich Hallers Präsenz vor allem dazu dient, Fabers Seelenschmerz angemessen zu illustrieren.

Die Nebenkriegsschauplätze lassen aber wenig Raum für einen vielschichtig angelegten Mordfall, so dass die Auflösung entsprechend früh vorherzusehen ist: Der Fall ertrinkt bisweilen im Drumrum. Auch die Tatsache, dass nicht nur die Polizei in Nordrhein-Westfalen ein großes Problem mit Rechten in den eigenen Reihen hat, wird eher an der Oberfläche behandelt – so sehr die Filmemacher ihren Finger auf den Puls der Zeit legen, so wenig ergiebig ist am Ende das Ergebnis.

Ähnliche Stoffe gab es in Sonntagskrimis der jüngeren Vergangenheit auch schon häufiger, etwa im ebenfalls von Sebastian Ko inszenierten Kölner Tatort Wacht am Rhein, der Treibjagd aus Hamburg oder dem Dortmunder Vorgänger Hydra, wenn auch nicht immer so stark gespielt und so fiebrig erzählt. Ein Dortmunder Tatort mit Schwächen ist eben in aller Regel immer noch ein guter Krimi. So hoch liegt die Messlatte an der Ruhr.

Doch auch im Hinblick auf die COVID-19-Pandemie wirkt Heile Welt nicht aus einem Guss: Während Computerladen-Besitzer Thomas Janowski (Jürg Plüss) Corona für seine Pleite verantwortlich macht und bei Fabers Moscheevisite sowie der spektakulär in Szene gesetzten Kundgebung der rechten Hetzer hier und da Maske getragen wird, bleibt sie in anderen Sequenzen ab. Stringent ist das nicht wirklich – unterhaltsam und spannend aber jederzeit, und im Hinblick auf die Horizontale darf man einmal mehr gespannt sein, wie's in Dortmund weitergeht.

Bewertung: 7/10


📝 So war der Tatort der Vorwoche: Kritik zum Tatort "Hetzjagd"

Kommentare:

  1. Der gleich Scheiss wie immer, die guten, unschuldigen Flüchtlinge und Migranten und die bösen, gehirnamputierten Deutschen. Mir war von Anfang an klar, dass der Täter kein Migrant sein kann. Das gibts nicht im deutschen Fernsehen. Ein rechter Mob aber der hilflose Ausländer verprügelt und randaliert verkauft sich immer gut und die linke Reporterin hat es natürlich gut gemeint und wurde in ihrem Eifer für Gerechtigkeit und eine bessere Welt nur von den Rechten getäuscht. Alles wie erwartet.

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    1. Der gute unschuldige Flüchtling war Drogenkurier. Der Imam wurde zudem alles andere als freundlich dargestellt. Für mich gab es in diesem Tatort nette Ausländer, böse Ausländer, nette Deutsche und böse Deutsche. So wie im realen Leben auch: Scheiß auf die Herkunft. Es gibt in jedem Land A...löcher und nette Menschen.

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    2. Genau so. Dem ist nichts hinzuzufügen.

      Armes Deutschland...

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    3. Genauso sah ich es auch .Das war für mich der LETZTE Tatort . Werde mir lieber Schwedischen Krimi anschauen , die können Krimis

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    4. Ein wenig muss ich mich diesem Kommentar anschließen, auch wenn ich diesen Tatort keineswegs schlecht fand.
      Es handelt sich allemal um einen spannenden Tatort, der eindrücklich zeigt, wie nu rein kurzes Handyvideo im Internet von allen für eigene Zwecke verwendet werden kann. Bönisch wird basierend auf blanken Behauptungen an den Pranger gestellt und bekommt auch das Misstrauen der neuen Kollegin zu spüren. Faber wirkt überraschend menschlich und glücklicherweise nicht so komplett überzeichnet wie in der Jubiläums-Doppelfolge. Die neue Kollegin wird auch bereits gut eingeführt – man vergleiche etwa diesen Tatort mit den ersten Münster-Tatorten mit Mirko Schrader. Ein großes Lob geht auch an Anna Schudt, die hervorragend spielt.
      Ebenso Vieles halte ich an diesem Tatort jedoch nicht besonders gelungen. So fügt sich die Geschichte um Pawlaks verschwundene Ehefrau nicht harmonisch in das Geschehen ein. Zudem wirkt so Manches übertrieben: Ähnlich wie in “Level X” aus Dresden oder “Borowski und das Glück der Anderen” aus Kiel scheint sich alles in der Stadt nur um das Thema des Tatorts, hier die Rassismusvorwürfe an Martina Bönisch, zu drehen. Auch die Ausschreitungen wirken insgesamt etwas übertrieben. Am Ende wird dann auch alles erstaunlich schnell aufgeklärt. Besonders enttäuschend fand ich jedoch die Auflösung, die viel zu vorhersehbar ist. Ich hätte es konsequenter gefunden, wenn Hakim Khaled der Mörder gewesen wäre: Damit hätte Bönisch ihn zurecht verdächtigt und der Film würde dem Klischee nicht entsprechen, dass alle Migranten nur gutherzige Kleinkriminelle sind. Es müsste mal gezeigt werden, dass manche Ausländer kriminell sind, andere nicht, einige mögen sogar Mörder sein – wie es eben überall auf der Welt ist.
      Ich fand auch sehr störend, wie die Corona-Pandemie im Film aufgearbeitet wurde. Es ist zwar toll, dass die Pandemie auch im Tatort aufgegriffen wird, der ja schließlich ein Spiegel unserer Gesellschaft sein soll, aber warum in jeder Situation nur die Hauptfiguren keine Masken tragen, erschließt sich mir nicht. Im Präsidium hat es noch Sinn, aber sonst? Wo doch noch dazu alle Statisten Masken tragen! Schade…
      Alles in allem halten sich Gutes und Schlechtes in etwa die Waage, sodass ich für diesen Tatort 5/10 Punkte vergebe. War in Ordnung, aber aus Dortmund kennt man es auch besser.

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    5. Die linke Reporterin wurde vieles aber sicher nicht als gut dargestellt!

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  2. Sehr schlechter Tatort, konstruiert aus aktuellen Stereotypen. Auch wenn die hier gesammelten gesellschaftlichen Probleme vielleicht die akutesten unserer Zeit sind, wirkt der Film konzipiert und manipulativ

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  3. Alle tragen Mund-Nasen-Bedeckung außer die Schauspieler mit Text... z.B. Moschee Szene. Sehr realistisch... ;)
    Ich mag das Team Dortmund. Irgendwie war es heute von der Story nicht so meine Folge.

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  4. Nicht Sehenswert. Zu politisch. Klischeeüberfrachtet.
    Wo sind die normalen Kriminalfälle, die mich seit Jahrzehnten dazu verleitet haben den Fernseher einzuschalten.
    Das wird wohl in Zukunft
    nicht mehr regelmäßig so sein.

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  5. Nicht Sehenswert. Zu politisch. Klischeeüberfrachtet.
    Wo sind die normalen Kriminalfälle, die mich seit Jahrzehnten dazu verleitet haben den Fernseher einzuschalten.
    Das wird wohl in Zukunft
    nicht mehr regelmäßig so sein.

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  6. Grotten schlechter tatort.. Polizei wird mal wieder als die schlechten dargestellt.. Wir sollen mal wieder manipuliert werden.. Um was drehte sich eigentlich die Haupthandlung? Drogen?nazis? Linke? Hmmm..Ich verstehs nicht.. Kam nicht wirklich was rüber..

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  7. Die Neue geht gar nicht. Besserwisserische streberhafte Quotendicke und als Neue erstmal schön in alle Fettnäpfe.
    Aylin Tezel passte mit ihrer Figur viel besser, diese Rosa ist definitiv kein Gewinn

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  8. ...was für ein grottenschlechter Tatort...ein vollkommen unrealistisch, themenüberladener Bullshit...Dortmunds Vorstadt als Banlieue ......alle Probleme dieser Welt auf 2 Quadratkilometern Dortmund - lachhaft...jede Person 200 % überzeichnet .... Holzhammermethode. Die Deutschen können einfach keine guten Filme machen. Das ginge so viel subtiler ...ohmeingott... was für ein Mist...es gibt vergleichbare Themen in französischen und englischen Filmen ....👍👌👍👌👍👌 um Klassen besser

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  9. Gibt es eigentlich keine neutralen Themen mehr beim Tatort? Warum müssen immer die ausländischen Mitbürger verdächtigt werden, es gibt unter den Deutschen genug Verbrecher !!!! Laßt endlich die Immigranten in Ruhe!!!!!!!

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    1. ... weil sie, obwohl dies von Gruenen, Linken, fast allen Massenmedien und natuerlich unserer Regierung seit Jahren totgeschwiegen und ignoriert wird, sehr wohl Verbrechen begehen und absolut kein Unrechtsbewusstsein besitzen! Die Scharia ist "ihr" Recht, und das tolerieren deutsche Politiker, damit sie nicht als "Rassisten" gelten wollen. Erbärmlich. Opfer sind nicht nur deutsche Buerger, sondern auch alle rechtschaffenden und ehrlichen Menschen mit Migrationshintergrund! Warum treten die den verzogenen und soziophatischen "Jungkriminellen" aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Libanon etc nicht mal kräftig in den Arsch und entziehen ihnen ihren Respekt?

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  10. Das Team Dortmund hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Die Story gestern war jedoch überfrachtet. Zudem überzeugt mich die Neue nicht. Dass sie Bönisch duzt, während diese die Neue siezt - geht gar nicht!

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  11. Heile Welt oder wenn man nix zu sagen hat ,einfach die Schnauze halten !

    Warum haben top Charakerschauspieler wie Hartmann ,Schütt,Okon nicht den Mut zu sagen : solche Dreck spiele ich nicht! Wie kann man eine top Schauspielerin mit Chuzpe durch eine drittklassige Laiendarstellerin mit Essproblemen ersetzen ?
    Wertung 1/10
    Beste Szene : Hartmann im orgelden Manta.

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    1. Was soll das mit den essproblemen? Wenn du nur Frauen in deiner bevorzugten Kleidergröße sehe willst, Schau dir halt pornos nach Wahl an! So ein Quatsch und so ein völlig unnötiger kommentar

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  12. Schlechter Tatort.
    Völlig übertrieben und z.T. irreal. Eine suspendierte Kommissarin versucht öffentlich ihre Unschuld zu beweisen!? Riesige Ausschreitungen in einer Einkaufspassage? Also ich musste wirklich den Kopf schütteln.
    Die neue Kommissarin hat mir gefallen. Sie hat ermittelt und Fakten geschaffen.
    Der vorherige Tatort (Zweiteiler) hat mir auch schon nicht gefallen.

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  13. Schlechter Tatort.
    Völlig übertrieben und z.T. irreal. Eine suspendierte Kommissarin versucht öffentlich ihre Unschuld zu beweisen!? Riesige Ausschreitungen in einer Einkaufspassage? Also ich musste wirklich den Kopf schütteln.
    Die neue Kommissarin hat mir gefallen. Sie hat ermittelt und Fakten geschaffen.


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  14. Frau Esken durfte hocherfreut sein, dass sich ihre ueblen Erguesse ueber die "Rechtsextremistisch durchsuchte Polizei" in den Redaktionen des WDR Tatorts auf fruchtbaren Boden prächtig entwickelt haben. Die von antideutschen Rassisten gemobbte Kommisarin hat wohl traumabedingt voellig den Verstand verloren und poebelt gegen ihre eigene Community, waehrend die neue Kollegin als voellig verpeilter Trampel durch die Kulissen wälzt. Da wirkt der Vollzeit- Soziopath Faberim nur noch als Karikatur seiner Selbst. Bei diesem Konzentrat an Unfaehigkeit und Inkompetenz braucht man keine Waffen mehr. Die Kriminellen lachen sich Tod!

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  15. Mir hat der Tatort sehr gut gefallen. Er war spannend bis zum Schluss. Die neue Kommissarin fand ich auch sehr gut. Gerade, weil sie vielleicht nicht ganz so durchgeknallt ist wie die anderen, finde ich sie einen sehr passenden Gegenpol. Sehr gute Wahl der Schauspielerin.

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  16. Unglaublich, kaum getarnte, voller Klischees und politischer Vorurteile, Gehirnwäsche für das Volk.
    Und das auch noch von dem Volk eigenem Geld bezahlt!!!
    Habe nach der Hälfte ausgeschaltet.

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  17. Es geht nur noch in eine Richtung. Starke Frauen denen ein Schwanz wächst. Die Männer sind Psychos, Verlierer oder Wasserträger für die Frauen und der arme Ausländer ist der zu unrecht beschuldigte, traumatisierte. Eine Frau bei der Polizei im Brennpunkt. Ich lach mich tot. Da fällt mit nichts mehr ein. Freu mich auf München Münster und Köln.

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