Murot und das Prinzip Hoffnung

Folge: 1179 | 21. November 2021 | Sender: HR | Regie: Rainer Kaufmann
Bild: HR/Bettina Müller
So war der Tatort:

Philosophisch.

Denn nicht von ungefähr trägt der zehnte Fall des eigentlich in Wiesbaden ansässigen LKA-Ermittlers Felix Murot (Ulrich Tukur), der bei seinen Ermittlungen in Frankfurt wie gewohnt von seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) unterstützt wird, den gleichen Titel wie das bekannteste Buch des deutschen Philosophen Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung.

Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich Bloch in seinem zum geflügelten Wort avancierten Werk, und nach Antworten auf diese und weitere Fragen sucht auch Murot auf dem Weg zur Auflösung der Mordserie, die die Bankenmetropole erschüttert. Für profane 08/15-Fragen wie "Wo waren Sie gestern zur Tatzeit?" bleibt in Hessen kaum Platz: Der Tukur-Tatort richtet sich nun mal nicht an die breite Masse, sondern an den Feuilleton und an die Freunde des Speziellen und Experimentellen.

Dabei beginnt der dialoglastige, extrem philosophisch geprägte Arthouse-Krimi recht klassisch: Nach einem kurzen Prolog, der auf einen späteren Winkelzug des LKA-Ermittlers vorgreift, stehen Murot und Wächter vor der dritten Leiche binnen weniger Tage: Jochen Muthesius (Heinrich Giskes, Das erste Opfer), früherer Philosophieprofessor und Murot aus seinen Studienzeiten bestens bekannt, wurde mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet – ebenso wie ein türkischer Gemüsehändler und ein chinesischer IT-Fachmann, die scheinbar in keiner Verbindung zu der ehemaligen Koryphäe der europäischen Philosophie stehen.

Riecht zunächst alles nach einer Tat im NSU-Stil, konzentrieren sich die Ermittlungen schon bald auf den rechtsintellektuellen Jürgen von Mierendorff (Christian Friedel, Unsichtbar) und die engsten Verwandten des Toten, in deren Kreis der Mörder zu finden sein muss: Die dauerflirtende Inga (Karoline Eichhorn, Leonessa), der blasierte Paul (Lars Eidinger, Borowski und der stille Gast) und die alleinerbende Laura Muthesius (Friederike Ott, Der Tod ist unser ganzes Leben) spielen ein Katz-und-Maus-Spiel mit Murot und sind nicht gewillt, ihn die Spielregeln bei der Suche nach dem Mörder ihres Vaters bestimmen zu lassen.


FELIX MUROT:
Ein Spiel dauert immer so lange, wie es alle spielen wollen.

PAUL MUTHESIUS:
Oder bis jemand verloren hat.


Die Tatort-Folgen aus Wiesbaden sind bekanntermaßen nichts für Zwischendurch – keine Sonntagskrimis zum Entspannen, sondern zum Sich-Fordern-Lassen. Regisseur Rainer Kaufmann (Die Liebe ein seltsames Spiel) und Drehbuchautor Martin Rauhaus, der zum ersten Mal ein Skript für die Krimreihe beisteuert, machen daher auch keine Gefangenen – vergessen bisweilen aber, das Stammpublikum bei ihrem künstlerisch angehauchten Krimi-Experiment mitzunehmen.

Murot und das Prinzip Hoffnung – rein handwerklich dank der düsteren Atmosphäre, dem stimmungsvollen Klangteppich und den grandiosen Darstellern über jeden Zweifel erhaben – wirkt phasenweise wie ein Bühnenstück und auf der Zielgeraden gar wie eine griechische Tragödie. Mag das Theaterhafte im herausragenden Zitate-Feuerwerk und vielgelobten Tatort-Meilenstein Im Schmerz geboren ganz hervorragend funktioniert haben, verkommt es hier oft zum Selbstzweck.

Besonders im Mittelteil kennzeichnen den Film erhebliche Längen, denn die ausufernden Debatten bringen den Film nicht voran: Den selbstreflexiv-ironischen Exkursen von Paul Muthesius mag der studierte Murot zwar folgen können, aber nicht jeder Zuschauer – viele dürften sich da in Realschulabsolventin Wächter wiederfinden, die dem hochtrabenden Gequatsche nichts abgewinnen kann. Ein Stück weit aufgefangen werden die zähen Abschnitte durch die bravouröse Performance von Lars Eidinger, der wenige Wochen zuvor im Kieler Tatort Borowski und der gute Mensch ein letztes Mal in seiner Paraderolle als Serienmörder Kai Korthals brillierte und auch hier wieder gnadenlos abliefert. Für einen wirklich guten Krimi ist das aber zu wenig.

So richtig in Fahrt kommt der 1179. Tatort nämlich erst im wendungsreichen Schlussdrittel, in dem sich die Ereignisse überschlagen: Murot und Psychologin Inga Muthesius, die in Jugendzeiten ein Auge auf den späteren LKA-Ermittler geworfen hat, stellen die Figurenkonstellation der Vergangenheit sowie das Hier und Jetzt mit Holzfiguren auf einem Tisch im Therapiezimmer nach – die systemische Aufstellung der Muthesius-Sippschaft verschmilzt mit der Filmhandlung, so dass auch Wächter und Murot sich auf dem Figurenfeld wiederfinden. Ein faszinierendes Gedankenspiel.

Hier ist der Tukur-Tatort in seinem Element, hier entfaltet er seinen größten Reiz – aber unterm Strich entwickelt er diesmal nicht die Durchschlagskraft und Brillanz, die die bereits erwähnte Shakespeare-Western-Oper-Hommage Im Schmerz geboren, den höchst umstrittenen Meta-Mindfuck Wer bin ich? oder den köstlich überdrehten Zeitschleifenkrimi Murot und das Murmeltier kennzeichnet. Und an diesen überragenden Vorgängern muss sich auch der Tatort aus Wiesbaden messen lassen.

40 Kommentare:

  1. Kann es denn keinen normalen hessischen Tatort geben? Einfach nur schrecklich. Ulrich Tukur ist zwar ein guter Schauspieler aber ein schrecklicher Ermittler. Handlung ist realitätsfremd, schade.

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    1. Vollkommen richtig! Schade, wenn man seine Zeit am Sonntagabend mit Tatort vergeudet.

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    2. Der Tatort von heute ist reine Zeit und Geld Verschwendung

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    3. Stimme ich absolut zu. Sowas langweiliges! Einfach nur grottenschlecht!

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  2. Ich ärger mich, das ich meine Zeit mit diesem Schei.. vergeudet habe. Diese pseudo-intellektuellen Blödsinn will ich nicht mehr sehen. Schade, das ich dafür Gebühren zahlen muss.

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  3. Ach herrje...das war ja eine verschrobene Familie, alle Psychopathen. Der Eidinger war richtig gut. Ansonsten bin ich sprachlos

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    1. Leute. Die Wortspiele des Eidingers waren doch echt super. Der Schluss mit dem umgekippten Stuhl
      Einfach herrlich die anderen Schauspieler fand ich jetzt in ihrer Rolle leider gar nicht so prickelnd

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  4. Was um Hooters Willen ist mit dem gute alten Tatort geworden..Nur noch Psycho Schwachsinn...bitte sofort absetzen. Vergeudete 90Minuten im Leben!!!!!

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  5. Bitte einfach nur ein Krimi statt ständig einen Tarrantino Light....mir geht diese Kacke nur noch auf den Sender..��

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  6. Der absolute Schrott Tatort.
    Eine Zumutung

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    1. Genau so ist das!!!!

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    2. Da kann ich mich nur anschließen. Das ist keinTatort mehr.

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  7. Nein danke, sowas vermiest mir den Sonntag Abend. Ein normaler Tatort sonntags abends ist wünschenswert!

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  8. Schade um die verlorene Zeit. Die Freude auf den Tatort vergeht einem bei diesen Mist gründlich.

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  9. Wenn ich mir die Kommentare so durchlese war meine Entscheidung, den Tatort zu ignorieren goldrichtig !
    Mit einem guten Buch hatte ich eindeutig wohl den unterhaltsameren Abend.

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  10. Müssen denn die Tatort Folgen nur noch künstlerisch wertvoll sein. Diese unrealistischen Pseudo Psycho Themen sind unrealistisch. Es macht keinen Spass mehr sonntag Abend den Tatort anzuschauen !

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  11. Leute, wenn ihr es noch immer nicht kapiert habt daß es keinen Sinn macht den Tato, Tatort einzuschalten seid ihr doch selbst schuld. Wann begreift ihr es endlich.

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  12. Ein Tatort, bei dem ich fast eingeschlafen bin. Richtig grottenschlecht. Einfach nur Schei.... und sowas an einem Sonntag Abend ��

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  13. Wenn ich ein Theaterstück ansehen will, gehe ich ins Theater. Der Tatort war kein Krimi sondern Müll. Absolute Zeitverschwendung, schade ...........

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  14. Völlig vergeudete Zeit! Schade.

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  15. Gott sei Dank bin ich nicht der Einzige. So ein Scheiß, 90 min Lebenszeit vergeudet. Eigentlich möchte man sich Sonntags berieseln lassen und Spannung genießen. Aber was soll so was , wer läßt sich so einen Schwachsinn einfallen.

    Nie mehr Tatort aus Wiesbaden b.z.w. Frankfurt

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  16. TATORT-Folgen mit Murot sind etwas speziell - zugegeben. Das sollte man aber inzwischen wissen und den Einschaltknopf erst gar nicht betätigen, wenn man keinen Bock darauf hat.
    Niemand wird zum Zuschauen gezwungen.

    Wir freuen uns sehr über solche gut gemachten und mit hervorrragenden Schauspielerinnen und Schauspielern besetzten, spannenden TATORT-Folgen der etwas anderen Art. Nein, wir wollen/müssen so etwas natürlich nicht jeden Sonntag sehen, aber so häufig ermittelt Murot ja auch nicht und wenn er in einem Jahr - oder wann auch immer - erneut in einem TATORT am Tatort ermittelt, werden wir ihm auch dabei wieder zusehen - mit hoffentlich ebnso großem Genuss wie heute Abend!

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  17. Am Sonntag Abend schaut man Tatort an, ausser wenn der wannabe-Kult Murot läuft, dann Netflix.

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  18. Kann nur sagen diese Tatort ise so wie Flasche leer, ich habe fertig!

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  19. Spannung wird nicht nur durch hektisches Rumgerenne erzeugt. Tolles Schachspiel mit prägnanten Figuren. Eidinger darf mittlerweile alles und schiesst leicht übers Ziel hinaus! Dafür wird er vom Gartenstuhl entsorgt.

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  20. Habe noch selten einen schlechteren Tatort gesehen.und sowas 20.15

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  21. Ich habe wirklich nicht verstanden, warum die jüngste Tochter am Ende auch noch in Sachen Mord mitgemischt hat, aber vielleicht hatte ich zu dem Zeitpunkt auch schon mental abgeschaltet. Ihr war doch vorab bekannt, dass sie alles erben würde? Auch die Motive der anderen und das freiwillige Clochard-Dasein des Professors - alles sehr konstruiert.

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  22. Ich weiss schon,warum ich nach 15 min.umgeschaltet habe

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  23. Man muss sich nur die vorherrschende Meinung in den Kommentaren hier ansehen um zu wissen, dass es wieder ein Highlight in der Reihe war. Chapeau! Für die Enttäuschten: Nicht grämen. Es gibt doch noch die Rentner- und Rosenheim-Cops. :-)

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  24. Leider war die Story diesmal einfach ZU aufgesetzt und realitätsfern, in Verbindung mit den guten Schauspielern dann doppelt ärgerlich bzw. nervig schlecht.

    6 Punkte für den Murot vs. 5 Punkte für den Berliner letzte Woche, passen nach meinem Gefühl schlicht nicht...

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  25. Bin absoluter Tatort-Fan und fand die Reihe mit Murot bisher zwar eigenwillig, aber trotzdem interessant. “Das Prinzip Hoffnung“ hat allerdings meine Toleranz ausgereizt. Diese Art Darbietung gehört auf eine Theaterbühne und nicht in einen Tatort.

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  26. Ein bisschen abgedreht sind die Folgen mit Murot ja immer. Aber ich hab mich glänzend unterhalten gefühlt durch Eidingers unvergleichliche Performance. Muss jetzt noch lachen, wenn ich an seine Mimik und Sprüche denke (was steht nochmal auf Besitz einer Wasserpistole, still und leise wie zumeist kommt die Pleite angereist...u.v.m, die man gar nicht alle behalten kann...)

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  27. Das war der schlechteste tatort aller Zeiten!!!!!

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  28. Hab mir eigentlich abgewöhnt, Tatort zu schauen
    Immer nur der selbe Mist. Nur bei den Wiesbadenern schalte ich noch ein. Mein Urteil: herrlich. Skurril, absurd und völlig unlogisch die Handlung. Völliger Kontrast zum üblichen, was die anderen in dieser Serie so bieten. Und deshalb unterhaltsam und sehr erfrischend. Ich wünsche mir Filme von solcher Qualität.

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  29. Jetzt reichts!
    Mal wieder ein absolut schwachsinniger Tatort. Schade um den Strom dafür. Die Zurschaustellung von Genickschüssen an unbeteiligten Personen eine Orgie der emotionslosen Gewalt. Und so etwas im Abendprogramm. Ich war entsetzt.
    Ich schaue mir den Tatort nie wieder an.

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  30. So ein Schrott und dafür zahlt man Rundfunkgebühren !

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  31. Einfach nur enttäuschend,ein richtig spannender Tatort sieht anders aus, Tatortfans wird man so nicht mehr begeistern,sondern verlieren.Sehr Schade!!!

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  32. Nach dem Tatort "Hoffnung" werde ich meine Sonntagstradition Tatort zu schauen ändern. Tatort, nein Danke.

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