Erklärung zum Franken-Tatort "Wo ist Mike?"

Hier findest du die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Bamberger Tatort "Wo ist Mike?" vom 16. Mai 2021.
Bild: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden
Im Tatort Wo ist Mike?, der in und um Bamberg spielt, müssen die Hauptkommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) den Tod des kleinen Mike aufklären: Der Junge wird im Film leblos in einem Schrank aufgefunden – und zwar im Keller des Lehrers Rolf Glawogger (Sylvester Groth), bei dem Ringelhahn in der Tatnacht übernachtet hatte. 

Weil im Film Realität und Fiktion vermischen und die komplexe Handlung dem Zuschauer eine Menge Aufmerksamkeit abverlangte, klären wir nachfolgend die wichtigsten Fragen.

1. Wie ist Mike zu Tode gekommen?

Bild: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden 

Das Schicksal des Jungen wird schon im Prolog des Krimis angedeutet: Einleitend werden wir Zeuge dessen, wie der psychisch gestörte Teenager Titus (Simon Frühwirth) den kleinen Mike nachts durch einen Wald zerrt und in ein Haus bringt. Sehr bald klärt sich, dass es sich um das Haus von Lehrer Glawogger handelt, der den Abend und die Nacht mit Hauptkommissarin Ringelhahn verbracht und damit ein wasserdichtes Alibi hat. Die Hintertür des Hauses schließt offenbar nicht richtig, sagt Ringelhahn bei der letzten Begegnung mit Glawogger doch: 

"Die Tür musst du wirklich mal machen lassen, die geht immer ganz leicht auf."

Weil Mike unter einem Herzfehler litt und sich der Schrank, in den ihn Titus sperrt, von innen nicht öffnen lässt, kommt für den Jungen nach dem Einsperren jede Rettung zu spät. Titus wiederum hegt eigentlich gute Absichten und will das verängstigte Kind vor dessen Vater (Andreas Pietschmann) und Mutter (Linda Pöppel) in Sicherheit bringen, die an dem Abend der Tat heftig gestritten hatten. Weil der Teenager im Anschluss nach Amsterdam flüchtet und erst drei Tage später nach Bamberg zurückkehrt, kann er den Jungen nicht mehr rechtzeitig befreien – obwohl er sich das Wort SCHRANK zur Erinnerung auf seinen Arm schreibt. Glawogger hatte nichts von dem Vorfall im Keller geahnt.

2. Was hat es mit Coco auf sich?

Bild: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden

Dass Titus' Freundin Coco (Michelle Barthel) keine reale Person ist, sondern nur im Kopf des psychisch gestörten Teenagers existiert, ist im Film schon nach 20 Minuten zu erahnen. Kameramann Michael Hammon zeigt Titus und Coco nämlich niemals gleichzeitig im Bild, sondern immer nur abwechselnd bzw. getrennt voneinander. Im nächtlichen Prolog, bei dem Coco anfangs kurz dabei ist, fällt dies noch nicht auf, bei Cocos erstem "Besuch" in der psychiatrischen Klinik, in die Titus nach seiner Rückkehr aus Amsterdam gebracht wird, ist es aber kaum noch zu übersehen.

Endgültige Klarheit besteht dann auf der Zielgeraden des Krimis, als Titus die Tat gesteht und Coco bei der Befragung ebenfalls im Raum zu sein scheint: Die Kamera zeigt abwechselnd Coco, wenn Titus in ihre Richtung blickt, und einen leeren Stuhl, wenn Voss in Cocos Richtung blickt. Beim abschließenden Besuch des Kommissars in der Klinik beginnt dieser dann sogar ein Gespräch mit Titus' eingebildeter Freundin, weil er mittlerweile begriffen hat, dass sie nicht existiert und er sich mit dem Jungen verbunden fühlt.

3. Warum überlebt Glawogger den Selbstmord im Auto?

Bild: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden

Die vielleicht verwirrendste Sequenz in Wo ist Mike? ist der vermeintliche Suizid des Lehrers Glawogger, der von zwei Schülern beschuldigt wird, sexuell übergriffig geworden zu sein: Nachdem sich herausstellt, dass die beiden Jugendlichen die Geschichte nur erfunden haben, folgt eine längere Sequenz, in der der aus der Untersuchungshaft entlassene Glawogger mit dem Bus aus der JVA nach Hause fährt und dort schlimme Graffiti-Schmähungen vorfindet. Er setzt sich in sein Cabrio, legt sich eine in der Garage befestigte Drahtschlinge um den Hals und fährt davon, ehe ihm die Schlinge auf der Autofahrt bei Vollgas den Hals durchtrennt.

Just in dem Augenblick, in dem die Schlinge zuzieht, folgt allerdings ein harter Schnitt und wir sehen Paula Ringelhahn, der am Fenster des Präsidiums ein Schreck in die Glieder fährt: Sie hat sich den Selbstmord ihres neuen Freundes offenbar nur ausgemalt. Das hat einen guten Grund: Kurz zuvor war einer der Schüler mit seinem Vater auf dem Revier aufgetaucht und hatte eingeräumt, dass an den schweren Vorwürfen in Wahrheit nichts dran ist. Daraufhin setzt bei Ringelhahn, die Glawogger das Beteuern seiner Unschuld und die Haltlosigkeit der Vorwürfe nach dem Fund des toten Jungen nicht abgenommen hatte, offenbar das Kopfkino ein. 

Der Krimi geht damit weiter, dass der quicklebendige Glawogger aus der Haft entlassen wird und Ringelhahn ihm nachläuft, um sich zu entschuldigen – allerdings wenige Augenblicke zu spät kommt. Zum Wiedersehen mit dem unschuldigen Lehrer, den Titus als eine Art Ersatzvater sieht, kommt es erst in den eingangs erwähnten Schlussminuten dieser Tatort-Folge.