Züri brännt

Folge: 1140 | 18. Oktober 2020 | Sender: SRF | Regie: Viviane Andereggen
Bild: ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek

So war der Tatort:

Eng verknüpft mit den Jugendunruhen von 1980 – und zugleich so weiblich wie bis dato kein zweiter Schweizer Tatort in der 50-jährigen Geschichte der Krimireihe.

Denn nachdem der Luzerner Tatort mit seinen mäßig beliebten Ermittlern Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) von 2011 bis 2019 mehr Tiefen als Höhen durchlebte, drückt das SRF 2020 die Reset-Taste: Die Eidgenossen verlagern den Schauplatz nach Zürich und schicken in Züri brännt, dessen Titel auf einen berühmten Schwarz-Weiß-Film der Zürcher Bewegung anspielt, unter Regie von Tatort-Debütantin Viviane Andereggen ein neues weibliches Tatort-Duo ins Rennen um die Gunst der Zuschauer.

Da ist zum einen die etwas zugeknöpfte Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher), das welsche Arbeiterkind, das Karriere in Den Haag und bei der Kripo gemacht hat und dessen frankophone Herkunft in den Dialogen eindeutig durchklingt. Und da ist die quirlige Profilerin Tessa Ott (Carol Schuler), die aus einer alteingesessenen Zürcher Familie stammt und in der Stadt am See hervorragend vernetzt ist. Hat sie den Job bei der Kantonspolizei nur Vitamin B zu verdanken?

Schon bei der einleitenden Tatort-Besichtigung – in einem Hof wird eine tätowierte Brandleiche gefunden – prallen zwei Welten aufeinander, und trotz vordergründiger Höflichkeit klingt im Subtext durch, dass Grandjean und Ott sich (noch) nicht über den Weg trauen. Auf Wunsch ihres Vorgesetzten Peter Herzog (Roland Koch, spielte von 2012 bis 2016 mehrfach Matteo Lüthi im Tatort aus Konstanz) und Staatsanwältin Anita Wegenast (Rachel Braunschweig, Die Abrechnung) raufen sich die ungleichen Ermittlerinnen aber zusammen – ehe dann das passiert, was bei einem Tatort-Erstling so häufig passiert.

Es knallt.


GRANDJEAN:
Sie lassen sich von Ihren Gefühlen leiten und das ist gefährlich!

OTT:
Wenigstens hab' ich Gefühle!


Die eingespielten Drehbuchautoren Lorenz Langenegger und Stefan Brunner, die zuletzt den grandiosen Echtzeit-Krimi Die Musik stirbt zuletzt konzipierten, haben sich für ihren vierten Tatort viel vorgenommen – ein wenig zu viel, möchte man am Ende resümieren. Trotz des hohen Unterhaltungswerts wirkt beim Sprung zwischen den Zeitebenen nicht alles aus einem Guss, manches bemüht und einiges zu konstruiert. 

Zwei Beispiele seien genannt:

Grandjean und Ott, die kühle Erfahrene und die temperamentvolle Unerfahrene, sind interessante Figuren und werden angemessen ausführlich eingeführt – was bei Ott aber auch daran liegt, dass sie rein zufällig bei dem Mann eingezogen ist, der im Figurenkonstrukt eine Schlüsselrolle einnimmt. Der drogensüchtige Charlie Locher (Peter Jecklin, Ausgezählt) war in den 80er Jahren mit der verdeckten Ermittlerin Eva Baumann (Julia Suzanne Buchmann, Krieg im Kopf) liiert – und deren rätselhaftes Verschwinden schlägt die Brücke ins Hier und Jetzt.

Auch Kripochef Herzog, der kurz vor dem Ruhestand steht, ist zufällig in das Geschehen von damals verstrickt und gibt ansonsten den souveränen Vorgesetzten, der beim Zickenkrieg im Präsidium einschreiten muss. So weiblich und dynamisch der Tatort mit Blick auf Regie, Figuren und Inszenierung daherkommt: Hier verfallen die Filmemacher in antiquierte Muster, wie sie sich in den vergangenen Jahren bei ähnlicher Konstellation zum Beispiel im Tatort aus Dresden beobachten ließen. Wie wär's denn mal mit einer Kripochefin?

Auch über die gealterte Punkrockerin Barbara Dietschi (Karin Pfammatter, Schmutziger Donnerstag), die der Kommissarin Grandjean eine spontane Falco-Nummer widmet, und den kaltschnäuzigen Chefredakteur Simon Untersander (Michael Goldberg, Es ist böse) haben die Filmemacher wenig zu erzählen, was über Stereotypen hinausgeht – und so plätschert die 1140. Tatort-Folge eine ganze Weile in routinierten Bahnen vor sich hin. Wirklich langweilig wird es aber nie und die eingeflochtenen Bilder der Opernhauskrawalle setzen nicht nur den historischen Fixpunkt, sondern bringen auch Schwung ins Geschehen.

Richtig aufregend wird es dann im starken Schlussdrittel, das mit einem knackigen Twist aufwartet – und auch immer dann, wenn die verschwundene Baumann den Verdächtigen plötzlich als Halluzination erscheint, den Zuschauer mit gespaltener Zunge anfaucht oder blutüberströmt zwischen Journalisten steht. Effekthascherische, aber wirkungsvolle Ausflüge ins Horrorgenre, die nicht jeden Sonntag geboten werden. 

Die gelungene Auflösung ist ebenfalls ein Pluspunkt dieses vielversprechenden Tatort-Debüts: Die Figuren (insbesondere Ott) wecken die Lust auf weitere Folgen aus Zürich und die Synchronisation der schwyzerdütschen Originaldialoge wirkt in Züri brännt bei weitem nicht so künstlich, wie es oft zu Flückigers Zeiten der Fall war.

Bewertung: 6/10

Kommentare:

  1. Der Tatort war langatmig hoch drei. Ohne Spannung und Pepp. Zum Weglaufen. Ich habe bis zum Ende durchgehalten.

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  2. Verschenkte 90 Minuten.
    Bitte nicht mehr davon.

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  3. Der Tatort war langatmig hoch drei. Zum Davonlaufen. Das Ende war völlig unrealistisch.

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  4. Verschenkte Zeit. Bitte nicht nichbmal.

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  5. Dieser Tatort ist fast so spanndend wie die Wiederholung einer Kochsendung.

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  6. Hätte besser umgeschaltet. Langweilig und unrealistisch

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  7. Ich fand den Tatort gut.
    Die übersättigten, vom Überdruss geplagten könnten zur Justierung mal das Sandmännchen anschauen..

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  8. Abgeschaltet! Zumutung, voller Klischee, unverständlich, Story?

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  9. Ich fand ihn toll. Diese zwei bzw. 3 Frauenfiguren, auch der Ausflug in die 80er in Zürich für Licht als Deutsche sehr spannend. Auch die Gegenüberstellung der Sprachen sehr interessant. Hoffentlich für die Schweizer nicht zu klischeebehaftet.

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  10. Der Tatort wies große Schwächen auf: Schlechte Synchronisation;zu sehr konstruiert; teils künstliche Stimmung; "fehlende" Mitarbeiter/Kollegen;kein gesichertes Polizeigebäude - jeder x-beliebige Bote kann mal eben direkt ein Paket überbringen; absolut realtitätsfern; Spannungsbogen fehlt; ziemlich schwach..Leider.

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  11. Wird Zeit das man im Deutschen TV die Option bekommt den Schweizer Tatort wahlweise im O-Ton sehen zu können... Er verliert einfach zuviel auf Hochdeutsch

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  12. Der schlechteste Tatort den ich je gesehen habe. Schlecht gespielt, unglaubwürdige Story, den Beziehungsstress zwischen den Akteuren übertrieben. Fällt euch nichts besseres mehr ein.

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    1. Komisch.. in unserem kleinen „Tatort-Club“ waren wir ziemlich begeistert. Und Ihre Kritik ist dermassen negativ, dass es eigentlich gar nicht mehr glaubwürdig ist.

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  13. ...in allen Belangen eine einzige Unverschämtheit und todlangweilig. Solch einen Tatort will ich nie wieder sehen!!!

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  14. ...in allen Belangen eine Unverschämtheit! Was für eine Tatort-Zumutung, die endlos langweilig war.

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    1. Scheinbar haben Sie es nötig A) unglaublich destruktive Meldungen, welche extrem unglaubwürdig sind in dieser Heftigkeit B) sogar mehrmals zu publizieren.
      Es wäre extrem interessant zu erfahren, was Ihre Motivation ist.

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  15. War wirklich nicht interessant und auch nicht besonders gut gespielt / gesprochen

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  16. Die Darstellung der spätpubertierenden Zicken, ist in der Auswahl und Ausführung gescheitert. Die Personen sind sicherlich für eine Ponnyhof Dramatik bestens geeignet, hier aber bei dem Thema völlig überfordert.

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  17. Da war der Alte Kommissar Flückinger, noch hundertmal besser, ich bin fast eingeschlafen, die alten Tatort-Kommissare waren einfach besser, aber das ist Frauenquote

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  18. Lebensferne und unglaubwürdige Story ohne Sinn und Verstand mit schweizerisch untermalte Langeweile.
    Und muss man eigentlich immer an der Tonqualität sparen?

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  19. Habe mich so gelangweilt, dass ich das Ende doch glatt verschlafen habe. Das war ein Tatort ohne jegliche Spannung, schade. Aber eine Chance geben ich den neuen Ermittlerinnen noch. Es kann nur besser werden.

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  20. Dieser Tatort war wirklich eine Zumutung, insbesondere wegen der grotten schlechten Synchronisation. Insbesondere Isabelle Grandjean war so unverständlich, meine Frau hat nach 20 Minuten des kaum bis gar nichts verstehen aufgeben. Ich möchte gerne einen zweiten Tatort sehen, weil ich denke, dass da noch viel mehr Potential drin ist; ABER dann bitte auch so, dass man das Gesprochene verstehen kann. Ansonsten lieber in Originalsprache lassen und nur in der Schweiz ausstrahlen...

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  21. Es war mit das Schlechteste was ich bisher von der Tatortserie gesehen habe. Tut mir schon Leid für die beiden Ermittlerinnen. Aber leider ist dieser Schuh um einige Nummern zu groß für sie gewesen. Aber auch das Thema war nicht gerade fesselnd. Das müssen die Darsteller nun noch mit ausbaden.

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  22. Uninteressantes Drehbuch ohne Spannungsbogen und -bögen. Oft überzogene und aufgesetzte Schauspielerei. Schlechte Synchronisation. Uninspirierte Kameraführung. Unpassend eingesetzte Musik, um vermeintliche Spannung zu erzeugen. Und zum Ende hin zudem noch ein aufgezwungener "Showdown" mit unnötigen Gewaltszenen. Da schau' ich dann lieber Klassiker aus früheren Jahrzehnten ...

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  23. ich fand ihn super spannend, wer den orginal züribrännt film und zürichs geshichte, die rote fabrik ect kennt, fühlt da natürlich doppelt mit...

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  24. Leider trat der Kriminalfall in den Hintergrund und der Zickenkrieg in den Vordergrund. Charaktere, vor allem "Ott", unglaubwürdig. Als sie dann auch noch dem alten Mann im Rollstuhl mit GeStaPo Methoden die Luft abdrückte war das Thema für mich durch.

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  25. Bin Zürcher. Fand ihn langweilig. Bitte mehr Münster!

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  26. Ich habe die ganze Zeit über darauf gewartet, dass endlich ein realistisches Ermittlerteam in Erscheinung tritt. So einen konstruierten, überzeichneten und vor allem völlig realitätsfremden Tatort habe ich nun wirklich noch nie gesehen bzw. erdulet...

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  27. Es war wieder einmal ein Tatort, den man nach der Hälfte nur noch abschalten kann. Leider, wir hatten viele gute Tatort Serien, die man ja leider einfach aus dem Programm genommen hat.

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  28. Das ist der erste Tatort den ich gesehen habe. Obwohl ich Stadtzürcher bin, habe ich nicht alles verstanden. Deshalb habe ich ihn ein zweites Mal geschaut. Ich bin hin und weg von Anna Pieri Zuercher. Was für eine tolle Frau! Die alternde Punksängerin, die Verwendung der Originalaufnahmen des bewegten Zürich sind sehr gut gelungen. Wenn man zurückspulen kann, bringt das sehr viel. Schöne Locations. Tessa Ott ist auch sehr cool und authentisch Züri!

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  29. Ich habe das brennende Züri seinerzeit als dreissigjähriger von Bern aus mitbekommen. Die Drehorte sind mir unterdessen aber teilweise gut bekannt, da ich jetzt unweit von Zürich wohne.
    Den Streifen habe ich natürlich auf Schweizerdeutsch gesehen - und er hat mir ganz ordentlich gefallen. Der Plot war indessen recht komplex und gewisse Schlüsselmomente kamen leider nicht zur Geltung, sei es wegen zu kurzer Einstellung oder weil zu undeutlich gesprochen wurde. Ich werde ihn mir nochmals 'reinziehen und dann wahrscheinlich erst richtig geniessen können.

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